DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 13 05 2012
Es ist Wahlkampf allerorten. Und es steht zu befürchten, dass die Wähler blutige Laien sind. Denn mit den Wahlergebnissen kann keiner etwas anfangen. Daher hat man hierzulande auch Plebiszite abgeschafft, weil sie nicht zur Politik passen.
Nehmen wir Schleswig-Holstein. Die nach Stimmen stärkste Partei findet in Sachen Regierungsbildung weniger Aufmerksamkeit als die programm-freien Piraten. Im hohen Norden soll eine Splitter-Partei (SSW) mit Sonder-Status (unter 5% der Stimmen) ein Bündnis aus Rot/Grün ermöglichen, das außer dem unbedingten Willen zur Macht nichts aufzuweisen hat.
Nichts? Ach ja, da war wieder die von ihrer Partei öffentlich blamierte Heide Simonis,
die sich über einen Tele-Tanz-Tee in die Herzen der Heringsbändiger zurück gesteppt hat.
Würdelos? Keine Vokabel in Politiker-Kreisen.
Weiter geht's in NRW, wo sich Norbert Röttgen gleich um zwei Jobs redet. Spätestens Ende des Jahres wird er sehr viel Zeit für seine Familie haben. Der Bungee-Springer zwischen Düsseldorf und Berlin landet in seinem Wohnort Königswinter - Endlager für Merkel-Mütige.
Derzeitige Zentrale der Wahl-Fänger ist Griechenland - auch die Wahl auf der Titanic. Man darf wählen, ob man links oder rechts untergeht.
Eine politische Odyssee unternimmt gerade Jean-Claude Junckers. Der Chef der Euro-Gruppe und Erfinder des Sparzwanges im Euroraum plädiert nun für mehr Nachsicht mit Griechenland. Weite Hosen in Athen - in die jetzt jeder ängstliche Politiker hineinmachen darf.
Orientierungslos? Keine Vokabel in Politiker-Kreisen.
Erstaunlich bleibt, dass in der Wiege der Demokratie der Wille des Volkes ungehört verhallt. 72 % der Bevölkerung hat sich gegen den Euro entschieden.
Warum tut man ihnen nicht den Gefallen?
Der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone - vor einem Jahr gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes - wird nun von den meisten "Wirtschaftsweisen" als folgenlos eingestuft.
Ahnungslos? Keine Vokabel in Politiker-Kreisen.
Beim Thema: Sie säen und sie ernten nicht, aber die Nachbarn ernähren sie doch - führen viele Wege nach Berlin.
Statt Athen zu finanzieren und damit die wilde Spekulation der Banken aufzufangen: Home first!
Erst kommt Berlin, die Hauptstadt von Nassau. Dort wirkt Wowereit, der öfter in der Maske sitzt als im Büro, und wohl in einer verantwortungsfreien Parallelwelt lebt, in der sich Flughäfen selbst bauen. Seinen gefühlt fünf Millionen Beamten genehmigen wir ein geruhsames Dasein als Kartenabreisser für die vielen teuren Museen.
Wer einen Vorschlag hat, wie wir Berlin aus der Euro-Zone werfen können, möge sich bei Horst "2.0" Seehofer melden. Ihm ist es als Erstem gelungen, eine Party mit Hilfe von Facebook überschaubar zu halten.
Niveaulos? Keine Vokabel in Politiker-Kreisen.
Wowi führt zu Westerwelle, unserem hauptberuflichen Flugbegleiter ohne Destination. Er - pure Empathie - begrüßte ganz persönlich Präsident Obamas Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Ehe - und als hätte er's gelernt - fluently auf englisch: It's okay to marry gay. Naja, solange es nicht Pflicht wird.
Aber hier ortet der Anthropologe Abstimmungsbedarf mit der Kanzlerin, die ja für Kinder-Reichtum eintritt. Kinder-Reichtum kann leicht missverstanden werden: nicht reiche, nur viele. Denn Reiche wählen nicht. Sie praktizieren direkte Demokratie. Da kauft man Parteien und hält sich nicht mit einzelnen Abgeordneten auf.
Daher bleibt Bildung nur ein attraktives Wahlkampf-Thema. Und wird nicht zum Programm. Steuer-Mehreinnahmen werden für's Sparen "ausgegeben" - neue Behörden, neue Bürokratie. Wähler, denen man den Schwachsinn als Zukunfts-Politik verkaufen kann, sollte man nicht durch die Grundrechenarten verunsichern.
Derweil gesteht die seriöseste Bank der Welt -JP Morgan Chase - häppchenweise zunächst 2,3 Milliarden $ in CDS (Kredtitausfall-Versicherungen) versenkt zu haben. Bruno Iksil, der unkontrolliert über 100 Milliarden Dollar verfügen durfte, ist kein Computer sondern ein Angestellter - genauer ein Franzose mit griechischen Wurzeln. Da müssten doch alle Sirenen aufheulen. Die Kombination ist finanz-technisch tödlich.
Amüsant ist nur, dass diese Wall-Street-Version des Schiffeversenkens immer so "überraschend" passiert. Ein New Yorker Händler sagte, es sei, als habe man entdeckt, dass die brave Klosterschülerin, nachts in einer Lap-dance-Bar für Crack arbeitet. Eine Diffamierung aller freischaffenden Tänzerinnen - und das zum Muttertag.
Neues vom Texter - ab 10. Juni.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 06 05 2012
Unser Kieler Korrespondent konnte vergangenen Donnerstag der Übergabe des vierten deutschen U-Boots an Israel ebenso heimlich wie submarin beiwohnen. Seinem bisher unbestätigten Underwater-Bericht zufolge handelt es sich um das allah-modernste Tauchgerät der Dolphin-Klasse in blauer Tarnfarbe, damit es sich unerkennbar unter Blauwalen tummeln kann. Nur der geschulte Ozeanologe bemerkt den Unterschied - am fehlenden Nasenhöcker. Davon später mehr.
Primär fällt ins Auge, dass seitens der Bundesrepublik von einer Bestückung mit Waffen abgesehen wurde, da der FDP-Landtagskandidat Claus Hübscher, gerade von einer Privat-Audienz bei Irans Ahmadinejad zurück gekehrt, alle etwas hasenfüßigen Politiker mit der Exklusiv-Nachricht beruhigen konnte: Der gute Mensch von Teheran habe ihm in einem Moment, als die Pfleger gerade nicht aufpassten, persönlich und auf Augenhöhe versichert, dass er keine Atombombe besäße und keine entwickelt. Er stünde lediglich unter Strom. (Zitatende)
Daraufhin wurde das U-Boot nur mit einer Gummi-Nase (Norddeutsche sagen Bug) ausgestattet, womit es den Iran ausradieren kann, falls der strenggläubige Gewaltherrscher nicht ganz die Wahrheit gesagt haben sollte.
An dem Problem, dass der Radiervorgang länger dauert als der Bau einer Atombombe, arbeiten die Ingenieure derzeit noch.
Der Bundesnachrichtendienst wiederum, der im deutschen Osten NSU für eine Automarke hält, sieht im Nahen Osten den Iran als Bollwerk des Friedens und drückt daher beim Handel mit Radiergummi-Nasen beide Augen zu.
Um der Rückkehr des Weltfriedens nicht im Wege zu stehen, will auch die Weltmacht Israel, dass weder Russland noch China - geschweige denn der Iran - vor ihr zittert, und wird nun das sinkende Schiff auf den Namen 'Günter Grass' taufen - wobei die Besatzung hofft, dass das U-Boot dichter ist als der Dichter.
Alle Maschinen Stopp: Gerade kommt die Nachricht über den Ticker, die Dolphin erhält den Namen "INS Tanin".
Leider kann das Foto der Boots-Taufe aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht abgedruckt werden, da die Piraten den Diebstahl geistigen Eigentums immer noch nicht im Grundgeseetz verankert haben. Aber sobald ihnen dies gelungen ist, entern die Piraten Ahlen* und Bad Godesberg, und beschaffen sich auch ein eigenes Partei-Programm.
Der hoffentlich bald parteilose Claus Hübscher könnte sich dabei verdient machen, damit aus den Piraten 'was Rechtes wird.
Und da erreicht uns schon die nächste Schreckensnachricht: Annette Schavan, die ihr kärgliches Ministerin-Gehalt (200.400 Euro) durch eine ordentliche Professur für katholische Theologie an der Uni Berlin aufbessert, ist gar keine Doktorin!
Sie soll Gott, Papst und Merkel betrogen haben - perfider Weise in umgekehrter Reihenfolge.
Jungfer Annette hatte wohl einen Doktor-Vater, aber ihre Dissertation scheint herrenlos, was die Urheberschaft betrifft.
Aber auch hier Entwarnung: Die Story stammt aus dem SPIEGEL, hat also nichts mit Fakten zu tun sondern nur mit Wahlkampf für die SPD. Ob die permanente Manipulation durch SPIEGEL und Spezln Früchte getragen hat, wird an dieser Stelle nach den Ergebnissen der vier Wahlen (Schleswig-Holstein <Aufwind im Fallschirm der Möllemann-Partei>; Griechenland <Wahltag im Kuckucksnest> ; Serbien <Urnengang zum Untergang> und Frankreich <die Wahl der Qual>) kommentiert.
Vorab: Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten (alte Volksweisheit).
* Falls Frau Merkel in einer schlaflosen Nacht meine Glosse liest - hier ein Auszug aus dem Ahlener Programm der CDU von 1947 (!):
„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“ CDU: Ahlener Programm 1947
Ich kenne wenige Texte, in denen man jedes Wort unterstreichen kann.
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 29 04 2012
Merkel steigt aufs Hollande-Rad und Gabriel darf klingeln.
Im Klartext heißt das, unsere Bundeskanzlerin hat mit ihrem berüchtigten Talent für das rechte Wort zur falschen Zeit, den französischen Wahlkampf aufgepeppt. Aufgrund ihrer schlecht getimten Erinnerung an das Sparpaket kann nun der bisher politisch käsige Hollande eine längst ausgestorben geglaubte Deutschland-Aversion der Franzosen für seinen Wahlkampf reaktivieren ("Deutschland ist nicht Europa").
Und Sigmar Gabriel, Niedersachsens Antwort auf Napoleon, der zwar Merkel vorwirft, in einen ausländischen Wahlkampf einzugreifen, feiert Hollande, als sei der im SPD-Ortsverein Hannover.
Und weil es medial so viel Aufmerksamkeit einbringt, erledigt er auch gleich die Ukraine in einem Aufwasch, indem er deutschen Politikern vorschreibt, nicht zur Fußball-EM zu reisen.
Die Freunde der Blutgrätsche hoffen - damit kommt er nicht durch!
Stante pede demonstriert Wolfgang Bosbach, dass die Piraten in ihrer Orientierungslosigkeit nicht allein stehen.
Bosbach: Politiker sollen sehr wohl zur EM fahren, aber dem bösen Viktor Janukowytsch den Rücken zukehren!
Was sehr gut funktioniert, wenn man Ehren-Karten in der Reihe vor dem ukrainischen Staatsoberhaupt hat.
Es ist zum Verzweifeln: In dieser eisigen Atmosphäre werden unsere Kuschel-Kicker wieder nicht Europameister.
Dabei erfahren Länder, die im Fußball Welt- oder Europameister werden - nach Ansicht der Wirtschaftsweisen - einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Wie Spanien zeigt - wäre da nicht der "Rückfall" von Juan Carlos.
Aber noch ist die Ukraine nicht verloren!
Erst findet der Titelkampf zwischen Vitali Klitschko und Joachim Gauck um den EM-Gürtel in politischer Blauäugigkeit statt.
Rückblende: Gauck hat die Ukraine-Reise geplant, als Julia Timoschenko bereits lange (Oktober 2011) im Gefängnis saß, und sie spektakulär abgesagt, als Julia Timoschenko immer noch im Gefängnis saß - Modellfall einer politischen Selbst-Inszenierung.
Man kann es auch als späten Distanzierungsversuch sehen zu autoritären Regimen, in denen man lange und gut gelebt hat.
Und die Medien jubeln dazu. Auf dem verbliebenen Platz im Blätterwald wünschen sie der "Deutschen National-Mannschaft" alles Gute im bösen Osten.
Während also Bundespräsident Gauck boykottiert, was die Mannschaft mit dem Adler auf der Brust sanktioniert, versprüht der Parteichef der ukrainischen UDAR, der promovierte Turnlehrer, Vitali Klitschko, politische K.O.-Tropfen in der BILD.
Klitschko fordert (Zitat): "Ich möchte alle Fans bitten, zur EM in die Ukraine zu reisen und ihr Team zu unterstützen – trotz der traurigen Lage von Julia Timoschenko".
Ein Boxer, der mit den noch verbliebenen Hirnzellen in die Politik geht, sollte wissen, wie sehr Großereignisse ein Land international aufwerten, will er vermeiden, dass man beim 1996 für die Olympischen Spiele in Atlanta wegen Dopings gesperrten Faustkämpfer, Langzeitschäden vermutet.
Vielleicht sehen wir Julia Timoschenko, die wohl auch keine Heilige ist, allzu verklärt.
Aber dass die Ukraine Mafia-Merkmale aufweist - nunmehr salonfähig gemacht durch den Paten, Sepp Blatter, - ist evident.
Wie verhält man sich gegenüber autoritären Regimen?
Erich Kästners "Zeitgenossen" (letzte Strophe) geben einen Hinweis:
"Man sollte kleine Löcher in sie schießen!
Ihr letzter Schrei wär noch ein dernier cri.
Jedoch, sie haben viel zuviel Komplicen,
als daß sie sich von uns erschießen ließen.
Man trift sie nie"
Angela Merkel, deren Leben Fußball ist, wird es uns im Juni demonstrieren.
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 22 04 2012
In Bahrain wurde dieses Wochenende Gas gegeben - Tränengas.
Bahrains König Hamad al Chalifa wünscht Gladiatorenkämpfe. Das erledigt Bernie gegen Bares. Ecclestones Beihilfe zur Image-Verbesserung eines Landes, das seine "relative Ruhe" der Lage zwischen den sunnnitischen Supermächten Saudi-Arabien und Katar verdankt, hat nichts mit Politik zu tun - sagt der Formel-1-Zirkusdirektor.
Es gibt andere Sichtweisen.
Ohnehin dreht sich in der Formel 1 alles um die Reifen. Wenn Sebastian Vettel sagt (Zitat): "Ich verstehe den neuen Reifen nicht", fragt man sich: spricht der Mann mit Gummi? In dem Fall sollte man ihn aus dem (Kreis-) Verkehr ziehen.
Nico Rosberg beklagt, man könne nicht mehr mit Vollgas fahren. Das liegt doch hoffentlich nicht an den Benzinpreisen? Die Mitfahr-Zentrale Mercedes (ein einziger Sieg seit 1955) steckt über 500 Millionen Euro jährlich in diese sinnfreie Fortbewegung - geringfügig weniger als in die Altersvorsorge für ihren CEO Dieter Zetsche. Zum Glück wurde die Pension noch geregelt, bevor wir neben der HypoRealEstate auch den VEB Daimler erhalten (für die Jüngeren: VEB = Volkseigener Betrieb). Nachdem Zetsche Chrysler ruinierte, das aktuell unter der Leitung von FIAT (!!!) 650 Millionen $ Gewinn macht, setzt er nun die Vorarbeit von Schrempp fort und "schleckert" den Konzern - das heißt, er fährt ihn aus Unfähigkeit gegen die Wand - in Zeiten, in der General Motors vom Pleitekandidaten wieder zum Weltmarktführer wurde, und die Staatshilfe zurück zahlte.
Selbst Aabar, Daimler Großaktionär aus Abu Dhabi, hat die Faxen dicke und steigt aus.
Und Merkel spannt den Schirm.
So bekommt bald jeder einen Mercedes - Schulden-mäßig betrachtet. Das wird zur Stern-Stunde, wenn der Achtzylinder-Kommunismus kommt.
Apropos. Polit-Komödien sehen wir auch in Frankreich. Nach dem Vorwahlkampf im Kaufhaus-Stil - für jeden etwas - steht nun Sarkozy vor seiner zweiten Amtszeit (Wetten, dass..?). Der Versuch von Francois Hollande seiner Ex-Frau, die 2007 gegen Sarkozy sehr elegant unterging, zu zeigen, was 'ne Harke ist, wird gegen den Kärcher-Kandidaten fehlschlagen. Das Kärcher-Zitat von 2005, aus seiner Zeit als Innenminister. folgt ihm wie Harvey - unsichtbar aber stets gegenwärtig - in Zeiten von Toulouse und Utöya.
Auch bei uns plädiert die politische Spitze für Grenzlontrollen und muss sich von einem Polizei-Gewerkschaftler sagen lassen, dass dies dem EU-Grundvertrag widerspricht.
Volker Kauders findet, die Islamisten gehören zu Deutschland aber nicht der Islam.
Philipp Rösler begrüßt Ulrich Deppendorf am Sonntag im "Bericht aus Berlin" mit "Herr Lindner". Frauenministerin Kristina Schröder schreibt ein Buch gegen Feminismus und über die künftige Rolle der Frau, mit der Kernaussage: Ich weiß es auch nicht!
SPD-Ministerialdirektor Daniel Rousta spricht von "FDPissern", Piraten-Chef Hartmut Semken fürchtet, die Neo-Nazis in seiner Partei zu verlieren.
Vielleicht sollte man eine Herdprämie für diese Politiker einführen. Je länger sie zu Hause bleiben, desto besser dürfte Demokratie funktionieren.
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 15 04 2012
Haben Sie schon den "deutschen Koran"? Wenn nicht, sollten Sie sich beeilen. Nicht weil es nur 25 Millionen Exemplare gibt, sondern weil die Regierung die "deutsche Lösung" erwägt - ein Verbot.
Keine Pfütze ist den politischen Populisten zu klein, als dass sie darin kein Vollbad nähmen.
Wir wissen doch, Bücher richten auf Dauer nichts aus. "Mein Kampf" hatte eine Gesamtauflage von 10,9 Millionen Exemplaren bis 1944. Und bereits 1945 gab es keinen einzigen Nazi mehr. Also keine Angst vor Salafisten. Das klingt zwar wie ein vegetarischer Döner, aber sie sind die ersten Islamisten, die Geld ins Land bringen - ein Druckauftrag von schätzunngsweise 60 Millionen Euro. Und wer es liest, wird feststellen, es ist eine rezeptfreie Abtreibung für Islam-Schwangere.
Warum ist Religion solch ein brisantes Thema? Verbirgt sich die Aufklärung immer noch im Geheimarchiv des Vatikans?
Kürzlich suchte Anne Will nach dem Sinn des Lebens.
Einer der Sinnsucher war der Hobby-Comedian Matthias Matussek vom SPIEGEL, der sich als katholischer Dschihadist gebärdete. Der Groß-Inquisitor mit der Kraft zweier traditionell harmonierender Wahrheiten - der Jesuiten und der SPD - fuhr den anderen Gästen in einer Mischung aus Arroganz und Ignoranz derart über den Mund, dass zu befürchten war: bei Widerspruch ewige Verdammnis. Die Hölle war es auch für die bekennende Homosexuelle Anne Will, die Matussek nicht nur vom Abendmahl ausschloss sondern auch von jeglicher Kontrolle über ihre Sendung.
Es verwundert weniger, dass Fanatiker für den SPIEGEL schreiben, eher dass ihnen im öffentlich-rechtlichem Fernsehen ein Podium geboten wird. Nun gut, es war der WDR. Dort genießen SPIEGEL-Fechter Artenschutz.
Zurück zum Thema Moral.
Unsere Regierung bewies, dass ihr von den G-Wörtern wie Gesetz, Gemeinwohl oder Geld (Geschlechtsverkehr ist angesichts dieser Regierung keine Option) Geld besonders stark am Herzen liegt. Man vereinbarte mit der Schweiz ein Abkommen über die "Besteuerung" von Schwarzgeld. Ein Dreifach-Erfolg: Der lange Vorlauf (gültig ab Januar 2013) ermöglicht, das Geld eine Bank weiter nach Liechtenstein zu bringen, Steuerbetrug wird legalisiert und zugleich finanziell belohnt!
Eine kleine Rechnung: Wer vor zehn Jahren 1.000.000 Euro "vermüllermilchte" - also in der Schweiz deponierte - bei nur 2 % Zins p.a. - hat heute 1,2 Mio. Nach der Schäuble-Gedächtnis-Abgabe von 30/% bleiben 840.000 Euro völlig legales Vermögen. Dem Trottel, der vor zehn Jahren 1 Mio. versteuerte, blieben rund 500.000 Euro - plus Zinsen - also heute 600.000 Euro (jeweils ohne Zinseszins). Schäubles Erklärung zu diesem Steuer-Scherz ist dem horizontalen Gewerbe entlehnt: Wenn man Zuhälterei nicht unterbinden kann, sollte man wenigstens daran mitverdienen.
Zeter und Mordio schreien SPD und Grüne. Als sie 1998 an die Regierung kamen, sah man das Geld förmlich über den Bodensee fliegen. Doch der Kanzler der Bosse änderte nichts, sondern jagte Paul Kirchhof davon, den die "SZ" in Nibelungentreue zu Schröder noch 2011 in einem Artikel als unfähig abbürstet.
Und die "SZ" ist auch erste Wahl für verkappten Antisemitismus.
Unbestellt Ungereimtes lieferte Günter Grass (mit ss am Ende), der neue Schutzpatron der NPD. Endlich gibt es Antisemitismus auf Nobelpreis-Niveau.
Und die Moral aus dem "Gedicht"?
Günter Grass den liest man nicht!
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 01 04 2012
Es war die Reise-Woche der beiden größten Deutschen, die das Land je hatte.
Leider wurden ihre Reisepläne vertauscht - aufgrund ihrer Jott-Ähnlichkeit. Jott Punkt Ratzinger hätte die Polen-Tour machen sollen und Jott Punkt Gauck die Kuba-Kiste.
Da aber beide über Freiheit sprachen, hielt sich der Schaden in Grenzen.
Schöner wäre es gewesen, wenn Ratzinger in Polen über Freiheit für Andersgläubige gesprochen, und Gaucks leicht angestaubte Rede über Reisefreiheit für Kubaner - speziell für 'Havannas' - gegolten hätte.
Aber wir lieben beide: PapaRatzi, der Armen demonstriert, wie reich die Kirche ist. Und unseren Freiheits-Gauck-ler, dessen Reden so leer sind wie ein Strandkorb auf Rügen im März. Und so kommt es halt, wenn wir Aufklärung mit Sexualkunde verwechseln. Dann holt sich die Kirche ihr Revier wieder zurück - mit Glaube, Liebe, Hoffnung.
Damit sind wir bei den "Piraten". Der einzigen Partei, die völlig schuldlos ist an ihrem Wahlergebnis. Wer sind ihre Wähler?
Haben die RTL-Zuschauer Dieter Bohlen ihr Stimmrecht übertragen? Oder erleben wir die Neuverfilmung von "denn sie wissen nicht, was sie tun", deren Original-Titel "Rebel Without A Cause" noch zutreffender ist?
Die dem Film zugrunde liegende Studie über eine orientierungslose Generation scheint angesichts der Party-Partei von erschreckender Aktualität. Irritierend ist vor allem eines: Wenn eine Partei, die offensichtlich nicht weiß, was sie will; mit einer Parteiführung, die politisch komplett unbedarft ist, acht Prozent der Stimmen holt, warum tut sich dann die FDP so schwer mit dem Gewinnen?
Aber langsam gewinnt sie unser Mitleid.
Denn nach dem Ende der Wulff-Hatz hat der SPIEGEL wieder die Jagdsaison auf die Liberalen eröffnet. Dabei störte jüngst ein journalistischer Lapsus die Labskaus-Jünger. Die FDP hat - entgegen der SPIEGEL-Meinung - im Fall Schlecker vernünftig gehandelt.
Und nun muss das Goldene Blatt für Wadenbeisser zurück rudern. Denn es ist auch SPIEGEL-Lesern kaum vermittelbar, dass Anton Schlecker in den Boom-Zeiten Milliarden verdient, und in der selbstverschuldeten Pleite den Steuerzahler für seine Ex-Mitarbeiter aufkommen lässt.
Ja, ist denn Schlecker eine Bank?
Journalistisch interessant dabei die SPIEGEL-Technik der Rolle rückwärts. Der SPIEGEL manipuliert seine Leserbriefe. Tausende protestierten schriftlich gegen die Empörungs-Bewirtschaftung des SPIEGEL - weg von Schlecker, hin zur FDP. Das subjektive Form-Blatt kommentiert die Zuschriften sinnentstellend nach dem Motto: Was weiß schon der dumme SPIEGEL -Leser. Da mag ja was dran sein...
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 25 03 2012
Es war ein Freitag, und ER sprach zu uns. Unser neuer Bundespräsident. Der SPIEGEL fragt: Wohin führt er Deutschland? Demokratie mit Führer - eine aparte Kombination, die den Hamburger Blattmachern in ihrer Euphorie über den Wulff-Abschuss wohl nicht auffiel. Aber - horribile dictu - er hat keine Macht. Kann weder führen noch befehlen. Aber verführen - zu selbständigem Denken und verantwortlichem Handeln. Ein erster Versuch war seine erste Rede - einfach und klar - ja man könnte sagen, sie war schlicht. Reif für den ECHO Award. Denn man hatte alles schon mal gehört. Alle Parteien wurden bedient. Und zwar so, dass Gysi sich als Ko-Autor outen konnte: "Unsere Anregungen (Pluralis majestatis) sind bei Gauck angekommen." Ist es Chuzpe oder feiner Zonen-Humor? Schwamm drüber - alle freuten sich über die 1776 Worte unseres Oberhirten, dem man bescheinigen kann, dass er nun im Bible-Belt Berlin angekommen ist. Müsste er künftig nicht so viel reden, er würde den Politikern die Beichte abnehmen. Nicht zur Beichte kam am Dienstag Carsten Marschmeyer zur sichtlich überforderten Sandra Maischberger (ARD, 23 Uhr). Ihr hehres Ziel war es, in das Geschichtsbuch der Finanzwelt einzugehen, indem sie Marschmeyer zu einem Ausgleichs-Fonds für die Opfer seiner Berufstätigkeit zu überreden versuchte. Leider landete sie nur im Witzbuch der Weltenretter in 45 Minuten. Denn völlig überraschend lehnte er den fein gesponnenen Plan der großen Naiven unter den Quasselstrippen ab. "Marschi" - wie wir Übernacht-Gäste ihn liebevoll nennen - zeigte die Überlegenheit seines Systems, indem er sein Geld behielt - ja es noch mehrte durch öffentlich-rechtlich finanzierte Werbung für sein Buch. Unter den Promotion-Helfern dieser Peinlichkeit auch Beate Wedekind, die promi-affine, frühere Chefredakteurin von BUNTE, ELLE und Ambiente. Eine gelernte Bankkauffrau, die nicht bei Marschmeyer sondern durch seriöse Bankberatung ihr gesamtes Vermögen verlor. Außerdem der nach eigener Aussage weltweit erfolgreiche PR-Maxe Moritz Hunzinger, der in seiner Firma Hausverbot hat. Sein Werte-Kodex würde ihm selbst auf dem Mars die sofortige Ausweisung per Schub einbringen. Aber für öffentlich-rechtliche Talkshows genügt der Polit-Lude noch allemal. Weiters der scheinbar unvermeidliche Trigema-Trikotagen-Tandler Wolfgang Grupp, dessen Unternehmerbild direkt aus dem viktorianischen Zeitalter stammt. In der Trigema-Werbung erkennt sich der Kunde übrigens an einen sprechenden Affen. Und SPD-Veteran Rudolf Dreßler, der als das soziale Gewissen seiner Partei gilt, und sich folgerichtig 2000 aus dem Bundestag zurück zog. Er war politisch gegen Schröder und eher für Lafontaine (nobody is perfect). Unser Marschi wiederum war gegen Lafontaine und für Schröder, wofür der Hannoveraner Edelkeiler 650.000 DM berappte (das war die gültige Währung - damals, als wir alle noch Geld hatten). Aber einen solchen Diskurs über Schröder hätte Sandra Maischberger, die gute Fee der SPD, nicht übers Herz gebracht. Die Frage ist: Warum glaubt sie, nachts um halb 12 noch Sendungen zum Mitklatschen machen zu müssen?
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 18 03 2012
Endlich. Wulffs Nachfolger ist gewählt. Nach dem Freigehaltenen kommt der Freiheitsheld - unser Wilhelm Tell aus dem Archipel Rostock. In den letzten Wochen wurde so intensiv über alles, was Gauck tun und lassen könnte, geschrieben und getalkt, dass viele dachten, er hätte seine Amtszeit schon hinter sich. Aber nun wird alles gut. Und auch das Gefasel über Korrektheit ist beigelegt. Bettina Schausten, die Jeanne d'Arc der unbezahlten Übernachtung, saß und aß am Freitag beim ZDF-Frühstücks-TV "Volle Kanne" - und ging, ohne zu bezahlen. Normalität kehrt wieder ein. Gauck sei Dank! Nur erstaunlich, dass gerade "Die Linke" seine Erhebung in den Bundespräsidentenstand nicht unterstützte. Sie kennen doch das Verfahren von früher: alle dürfen wählen, aber nur einer steht zur Wahl. Moment - da war doch noch Beate Klarsfeld, wird der eine oder die andere einwenden. Ihre chancenlose Benennung zeigt den rücksichtslosen Willen zur Schlagzeile. Eine verdienstvolle, ältere Dame zu Partei-PR Zwecken am Nasenring durch die Medien-Manege zu führen, war ein weiterer Kollateralschaden der Wulffiade. Könnten Wulff und Klarsfeld nicht miteinander tauschen - sie erhält seinen Ehrensold und er ihren Charakter? Wenn man schon Clownerie statt ernsthafter Politik machen will, warum nimmt man sich kein Beispiel an Oskar Lafontaine, der souverän seinem Populismus Zucker gibt mit der Forderung nach einen Steuersatz von 75% für Einkommens-Millionäre? So ist er halt, unser Oskar - mental noch in der Pubertät, aber schon 'ne feste Freundin! Nun sind wir wieder Bundespräsident, und ab jetzt kann Gauck - für die Groupies aus der ehemals sowjetisch besetzten Zone: der Jochen - es nur noch vermasseln. Mit der Erwartungshaltung, die ihn empfängt, bleibt nur ein Scheitern oder ein noch schnellerer Rücktritt als Wulff - beide aus Mangel an Beweisen. Längeres Nachdenken darüber erspart uns Hannelore 'Ministerpräsidentin aus eigener Kraft' Kraft. Ihre Minderheitsregierung scheiterte vorhersehbar. In Krisenzeiten eine Regierungs-Koalition ohne eigene Mehrheit - toleriert von der "Links-Partei", die der SPD zu links ist, um sie mit ins Boot zu nehmen, aber gerade recht als Steigbügelhalter - wie machtgierig kann man sein? Nun lässt die regierende Ehefrau und Mutter eines 17-Jährigen nach 20 Monaten Amtszeit erneut wählen - vermutlich so oft, bis ihr das Ergebnis gefällt. Erster Versuch: 13. Mai - am Muttertag. Da wird im Navi das Sonderziel Muttchen eingegeben, die Erzeugerin ins Auto gepackt, und dann mit den einzigen Ausflug des Jahres traktiert, bei dem sie keine elektrische Heizdecke kaufen muss. Vielleicht sitzt Frau Kraft am 13. Mai wieder ganz vorne - auf dem Beifahrersitz - festgeschnallt, damit sie nicht wieder einen Nachtrags-Haushalt einbringt, den ihr der Verfassungsgerichtshof wegen realitätsferner Monstrosität um die Ohren haut. Es gibt Mütter, denen sollte man kein Haushaltsgeld anvertrauen.
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 11 03 2012
Am Donnerstag dieser Woche war Weltfrauentag. Er wurde bereits 1911 eingeführt - damals auch in der Schweiz. Und ratzfatz erhielten die Schweizerinnen das Stimmrecht - am 7. Februar 1971. Aber er dient ja vornehmlich zur Parteien-Profilierung - nach dem Motto: gut, dass wir drüber gesprochen haben! Dementsprechend lustig war es im Parlament. Nur Frauen am Rednerpult - und Patrick Döring (aber der FDP sagt ja keiner mehr was). Die Frauen lasen von seinen Lippen - zugehört hat eh keine. Nur die Kanzlerin hört seit kurzem aufmerksam zu, wenn jemand von der FDP spricht. Vielleicht sammelte sie aber auch nur Kräfte für den Großen Zapfenstreich am Abend. Denn dort standen mit ihren Fußball-Tröten die "Wut-Bürger" - vermutlich voller Wut darüber,
dass die Aspirin-Elf von Bayer von einem einzelnen Fußballer zerlegt wurde. Die von den Medien manipulierten Tugendwächter, die nie in zweiter Reihe geparkt haben, geben Berlin und dem mit großer politischer Instinktlosigkeit geplanten Fest (so muss sich Putin nach der Wahl gefühlt haben) das internationale Flair: sie blasen Vuvuzela wie die Afrikaner, werfen Schuhe wie die Araber, und denken wie die Teletubbies.
Die Initiatorin der Wulffiade stand nicht nur neben dem Ehrensöldner, dem künftigen Spaziergänger "sans soucis", sondern auch die Farce tapfer durch. Aber wo im Parlament waren die Männer? Während - wie "Die Welt" schrieb (die wohl keine Leserinnen hat) - im Hohen Haus die 'Zicken-Fetzen' flogen, räumten die Herren der Diäten die Titelseiten ab: "Gregor Gysi in der Kita." Billiger geht es nicht. Aber nachdem uns "Bild" 2005 einen Blick in Gysis Gehirn werfen ließ, wissen wir, es besteht aus PR-Zellen. Vielleicht spricht Gysi nicht auf Diekmanns Mailbox, aber viel spricht dafür, dass primitive Anbiederung in jedem System funktioniert. Böse Zungen sagen, dass die Abwesenheit vieler Politiker im Bundestag auf die Anwesenheit vieler Politiker beim Starkbieranstich am Vorabend zurück zu führen sei. Auf dem Nockherberg, letztes Reservat praktizierter Monarchie, ist die Männerwelt noch in Ordnung. Hier fragen als Reporter getarnte Höflinge des BR die Majestäten: "War's zu scharf? Oder darf's a bisserl mehr sein, bevor Hoheit die Sendung aus dem Programm nehmen lassen?" Keine Sorge - diese Dauerwerbesendung für Filz und Flachsinn bleibt. Eigentlich sollten dabei den Politikern die Leviten gelesen werden, doch es wurde die Fortsetzung von "Fasching in Franken", wozu man selbst den Franken Guttenberg politisch exhumierte. Scheinbar gab es noch Resttexte vom Vorjahr. Es begann mit der Spaß-Beauftragten für Salvator-selige Senioren - Luise Kinseher. Die Freibier-Animateurin ("da woin mer amoi Prost sogn") legte die Latte so niedrig, dass auch das Singspiel, das in jeder Beziehung Bayerns Willen zur Sparsamkeit demonstrierte, noch bequem darunter passte. An manchen Stellen hatte der Abend Mario Barth-Niveau - und das waren die besseren Passagen. Das einzig Komische war eine Aufnahme von Christian Ude, der einen Moment lang grantig schaute, weil er einen Moment lang glaubte, er sei einen Moment lang nicht im Bilde - was politische Beobachter schon seit längerem vermuten. Inzwischen werden alle Politiker ihre Bildschirm-Präsenz mit der Stoppuhr nachgemessen und vom BR zusätzliche Sendezeit gefordert haben. Alle - bis auf einen: Hubert Aiwanger. Er ist Vorsitzender der Freien Wähler, der drittgrößten Partei Bayerns, und wurde überproportional liebevoll "genockhert". Das war übrigens das Einzige, worüber Claudia Roth sich nicht vor Lachen erbrach. Sie wurde am Folgetag gezwungen, über sich selbst zu lachen. Zum Weltfrauentag zeigten die Grünen im Bundestag Plakate mit der Aufschrift: "Wer nervt mehr als Claudia Roth?" Selbstironie cum grano salis oder - da es von den "Partei-Freundinnen" kam - femina feminam lupus est. Damit das Große Latinum nicht völlig nutzlos ist.
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
DAS WAR DIE WOCHE DIE WAR 04 03 2012
Diese Woche wenden wir uns aus aktuellem Anlass einem kleinen, traditionsreichen Staat in Europa zu. Wo nichts produziert, aber gut gelebt wird, wo alle einen Deutschen hassen, aber viele Deutsche hinfahren und wo man vom Geld der Anderen lebt - richtig: Der Vatikan. Auch wenn das Fernsehen mit Musikanten-Stadl und gewagten Prognosen über eine mögliche Wiederwahl Putins den stets alerten Bundesbürger zerstreuen oder gar ablenken will - allein, es gelingt ihm nicht. Die Nachricht bricht sich Bahn: Diese Woche eröffnete in den Capitoline Musei in Rom eine Ausstellung mit 100 bisher geheim gehaltenen Dokumenten aus dem Vatikan-Archiv unter dem Titel: Lux in Arcana - deutsch: Licht in Geheimes (nicht zu verwechseln mit "Licht ins Dunkel", die nicht nur von guten Taten spricht, sondern handelt). Die vom Vatikan sehr sehr sorgfältig selektierten Geheimakten offenbaren viel Neues für die Christenheit. Die Medien werden Interessantes den Dokumenten entnehmen. Etwa die "Passauer Neue Presse", dass die Scheiben-Theorie bezüglich der Erde vom Vatikan inzwischen scheibchenweise aufgegeben wurde. Der "Kicker" wird herauslesen, dass Otto Rehhagel bereits die Gladiatoren trainierte - immer auf Augenhöhe mit seinem Kumpel Seneca, der Jürgen Flimm den Satz vorweg nahm: "Gelassenheit ist die höchste Tugend des Weisen". Die "FAZ" entnimmt der Bitte Heinrichs VIII. um Auflösung seiner Ehe (Original-Brief, der bekanntlich zum klerikalen Eigenheim in England führte), dass keiner ungestraft der katholischen Kirche den Rücken zukehrt. Der Vatikan hat nun den Euro, Großbritannien nicht! "BILD" wird im Interview mit Thilo Sarrazin anhand der nie aufgehobenen Bannbulle Papst Leos X. gegen Martin Luther (millionenschweres Original in Vatikan-Besitz - zu Christie's Leid) die Frage klären: Sind Protestanten noch Integrations-unwilliger als Muslime? Die Ausstellung läuft noch bis 9. September. Anschließend eröffnen Angel Merkel und der frühere Staatspräsident Frankreichs die Ausstellung: Lux in Hellas (deutsch: Griechisch eingeseift). 100 streng geheime Akten über die temporäre geistige Umnachtung europäischer Politiker. Hier finden sich Dokumente über führende Volkswirtschaftler, welche die Griechenland-Hilfe für Wahnsinn halten und selbst für wahnsinnig gehalten wurden. Eine Bannbulle des Kabinetts Merkel gegen den Hausverstand, sowie Unterlagen aus dem Geheim-Prozess gegen Jean-Claaude Trichet, der nie ein Zimmermädchen anrührte, aber Millionen deutscher Steuerzahler bumste.
Freuen wir uns auf die nächste Woche.
© Achim Krausz
